Aschinger Steuerberater München

Steuerberater Sebastian Aschinger

Kanzlei-News

Klarstellung der Finanzverwaltung bzgl. Betriebsveranstaltungen

Auf Anfrage der Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft hat sich die Finanzverwaltung kürzlich klarstellend zu einigen Zweifelsfragen im Zusammenhang mit der Besteuerung von Betriebsveranstaltungen geäußert.

Ermittlung der maßgeblichen Teilnehmeranzahl

Lohnsteuerlich und sozialversicherungsrechtlich führt die Teilnahme eines Arbeitnehmers an einer Feier auf Kosten des Arbeitgebers grundsätzlich zu steuer‐ und versicherungspflichtigem Arbeitslohn. Ausgenommen hiervon sind lediglich Zuwendungen des Arbeitgebers im Rahmen von üblichen Betriebsveranstaltungen (z.B. Weihnachtsfeiern), soweit sie je Arbeitnehmer einen Freibetrag von 110 € nicht übersteigen.

Fraglich ist hier, wie die Anzahl der Teilnehmer zu ermitteln ist, auf die die Gesamtkosten der Veranstaltung aufgeteilt werden. Die Finanzverwaltung hat nochmals klargestellt, dass nicht die Anzahl der geplanten Teilnehmer, sondern die Anzahl der tatsächlichen Teilnehmer maßgebend ist.

Diese Zählweise kann beispielsweise zu Problemen führen, wenn eingeladene Teilnehmer absagen, erkranken oder anderweitig verhindert sind. Das Wegbleiben der eingeplanten Teilnehmer verringert die Anzahl der tatsächlichen Teilnehmer, so dass die Gesamtkosten je Arbeitnehmer abweichend von der ursprünglichen Planung nunmehr die 110 € übersteigen können. Dies würde bei den tatsächlichen Teilnehmern steuerpflichtigen Arbeitslohn auslösen.

Besonderheiten bei Geschenken anlässlich einer Betriebsveranstaltung

Der Wert der Geschenke, die anlässlich der Betriebsveranstaltung übergeben werden, fließt in die Berechnung der Kosten je Arbeitnehmer mit ein (110 €-Freibetrag). Dies gilt grundsätzlich unabhängig vom Wert des Geschenks.

Dies führt einerseits dazu, dass der Freibetrag bei Betriebsveranstaltungen i.H.v. 110 € je Arbeitnehmer schneller erreicht ist und die allgemeine 44 €-Freigrenze für Sachbezüge nicht zur Anwendung kommt. Andererseits können dadurch aber auch Geschenke über 44 € steuerfrei bleiben, wenn zusammen mit den übrigen Aufwendungen für die Betriebsveranstaltung der 110 €-Freibetrag nicht überschritten wird.

Wird ein Geschenk allerdings nicht „anlässlich“ sondern „nur bei Gelegenheit“ einer Betriebsveranstaltung überreicht, so gelten die allgemeinen Grundsätze für Geschenke an Arbeitnehmer (44 €-Freigrenze).

Die Finanzverwaltung hat nun bekräftigt, dass sie an der Unterscheidung von Geschenken „anlässlich“ und „nur bei Gelegenheit“ einer Betriebsveranstaltung festhält. Allerdings soll hier nunmehr eine Nichtbeanstandungsgrenze bei Geschenken im Wert von bis zu 60 € greifen. D.h. derartige Geschenke werden stets als „anlässlich“ einer Betriebsveranstaltung überreicht eingestuft.

Geschenke, für die ohnehin die Pauschalsteuer nach § 37b EStG entrichtet wird, sind in die Berechnung der Aufwendungen anlässlich einer Betriebsveranstaltung nicht einzubeziehen. Sie vermindern also den Freibetrag i.H.v. 110 € nicht.

Selbstorganisation der Anreise durch Arbeitnehmer

Findet die Betriebsveranstaltung außerhalb der ersten Tätigkeitsstätte des Arbeitnehmers statt, reist er zur Teilnahme an der Betriebsveranstaltung an und organisiert er die Anreise selbst (z.B. mit eigenem PKW), so stellen die Fahrtkosten und die Übernachtungskosten steuerlich Reisekosten dar. Diese kann der Arbeitgeber nach Maßgabe von § 3 Nr. 13 bzw. Nr. 16 EStG steuerfrei ersetzen.

Die Finanzverwaltung hat nun klargestellt, dass keine solche vom Arbeitnehmer selbst organisierte Reise zur Betriebsveranstaltung vorliegt, wenn die Organisation direkt vom Arbeitgeber über betriebsinterne Reisemanagementsysteme für den Arbeitnehmer organisiert und abgewickelt wird (z.B. bei Charterflügen, Sonderzügen, Bussen, Kontingenten für Hotelübernachtungen). Die Aufwendungen stellen in diesen Fällen Zuwendungen im Rahmen der Betriebsveranstaltung dar.

Betriebsausgabenabzug nach § 4 Abs. 5 EStG

Die Äußerungen der Finanzverwaltung enthalten auch Aussagen zum Betriebsausgabenabzug i.S. § 4 Abs. 5 EStG. Nehmen an der Betriebsveranstaltung auch Geschäftspartner (oder Arbeitnehmer verbundener Unternehmen oder Leiharbeitnehmer) teil, so sind die Aufwendungen, die auf diese Personen entfallen, nach Ansicht der Finanzverwaltung so zu behandeln, wie sie auch außerhalb einer Betriebsveranstaltung zu behandeln wären.

D.h. der Betriebsausgabenabzug der für diesen Personenkreis angefallenen Bewirtungskosten unterliegen dem üblichen Betriebsausgabenbeschränkungen i.H.v. 30%. Die übrigen Kosten (keine Bewirtung) fallen als Geschenk unter die insoweit geltenden Betriebsausgabenabzugsbeschränkungen (35 €-Grenze).

In derartigen Fällen ist somit eine weitere Unterteilung der Ausgaben für die Betriebsveranstaltung notwendig.

Jubilarfeiern

Die Finanzverwaltung hat klargestellt, dass Jubilarfeiern (z.B. für sämtliche Arbeitnehmer mit 20-jähriger Betriebszugehörigkeit) ebenfalls Betriebsveranstaltungen im lohnsteuerlichen Sinn sind. Die hierzu eingeladenen Jubilare haben somit bereits eine von jährlich zwei begünstigten Betriebsveranstaltungen „verbraucht“.

Etwas anderes gilt für die Ehrung eines einzelnen Jubilars. Dies zählt nicht als Betriebsveranstaltung im lohnsteuerlichen Sinn.

Eingestellt am: 15.12.2016