Aschinger Steuerberater München

Steuerberater Sebastian Aschinger

Kanzlei-News

Beteiligungserträge

Grundsätzlich greift für Kapitalerträge im steuerlichen Privatvermögen die Abgeltungsteuer und damit einhergehend ein Abzugsverbot von Werbungskosten (ausgenommen Veräußerungskosten). Der BFH hat dieses Abzugsverbot mittlerweile die Rechtmäßigkeit dieser Einschränkung mehrfach bestätigt.

Option zur Individualbesteuerung

Allerdings sieht das Gesetz bei Beteiligungserträgen die Möglichkeit vor, auf Antrag des Steuerpflichtigen zur Individualbesteuerung (d.h. Teileinkünfteverfahren) zu wechseln. Folge ist dann auch die Eröffnung eines – durch das Teileinkünfteverfahren beschränkten – Werbungskostenabzugs. Diese Möglichkeit steht Steuerpflichtigen offen, die „unternehmerisch“ an einer Kapitalgesellschaft beteiligt sind. Dieses ist der Fall, wenn diese zu mindestens 25% oder aber zu mindestens 1% bei gleichzeitiger beruflicher Tätigkeit für die Kapitalgesellschaft beteiligt sind.

Die Option kann ausgesprochen werden, wenn die Mindestbeteiligungshöhe zu irgendeinem Zeitpunkt in dem Veranlagungszeitraum erreicht wird, für den der Antrag erstmals gestellt wird. Der Antrag ist jedoch spätestens zusammen mit der erstmaligen Abgabe der Einkommensteuererklärung für den betreffenden Veranlagungszeitraum zu stellen. Eine nachträgliche Option ist nicht möglich! Der Antrag kann nur einheitlich für die gesamte Beteiligung ausgesprochen werden und gilt für weitere vier Jahre.

BFH: Keine quantitativen Anforderungen an die Tätigkeit

Nach der Rechtsprechung des BFH ist es nicht erforderlich, dass die Tätigkeit eines Minderheitsgesellschafters einen maßgeblichen Einfluss auf die Geschäftsführung vermittelt. Damit gewährte der BFH auch einer Sekretärin, die einen Zwerganteil an ihrer Arbeitgeber-GmbH innehatte, die Möglichkeit, die Besteuerung mit Abgeltungsteuer abzuwählen. Damit widersprach der BFH der Auffassung der Finanzverwaltung, welche die Möglichkeit zur Option davon abhängig machen wollte, dass der Arbeitnehmer einen maßgeblichen unternehmerischen Einfluss auf die Gesellschaft hatte.

Einschränkung der Optionsmöglichkeit

Allerdings hat der Gesetzgeber die Optionsmöglichkeit für solche Minderheitsgesellschafter nun durch das Amtshilferichtlinien-Umsetzungsgesetz 2016 eingeschränkt und schreibt damit die Auffassung der Finanzverwaltung im Gesetz fest. Danach ist eine solche Option nur noch möglich, wenn der Gesellschafter „durch seine berufliche Tätigkeit für die Gesellschaft maßgeblichen unternehmerischen Einfluss auf deren wirtschaftliche Tätigkeit nehmen kann“. Eine Tätigkeit als Sekretärin o.Ä. wird daher im Regelfall nicht mehr die Optionsmöglichkeit eröffnen können.

Allerdings greift die Neuregelung erst für Optionsanträge für den Veranlagungszeitraum 2017. Im Rahmen der Steuererklärung für das Jahr 2016 kann daher noch uneingeschränkt von der Optionsmöglichkeit Gebrauch gemacht werden.

Optionsmöglichkeit prüfen

Im Hinblick darauf, dass die Option zwar die Möglichkeit des Werbungskostenabzug eröffnet, jedoch andererseits mit einer Besteuerung der Gewinnausschüttungen nach dem Teileinkünfteverfahren einhergeht, sollte jährlich überprüft werden, ob der Werbungskostenabzug oder die Anwendung des Abgeltungsteuersatzes von 25% zzgl. Solidaritätszuschlag (und ggf. Kirchensteuer) einen stärkeren steuermindernden Effekt hat.

Eingestellt am: 15.12.2016